Wenn die Sonne sich mit aller Kraft
einen Weg durch die dunkele Wolkendecke bahnt,
die Wolkendecke vorsichtig durchbricht,
um dir Licht und Wärme zu spenden,
um dir Zärtlichkeit und Zuversicht zu geben,
wenn die Sonne sich mit aller Kraft
einen Weg durch die dunkele Wolkendecke bahnt,
dann spürst du.
dass du nicht alleine bist.
Seit über drei Wochen bin ich nun schon zu Hause, hier im Turm, hier bei dir, und lebe unseren Traum. Sie sind vergangen wie im Fluge, auch ohne dass es bahnbrechende Neuigkeiten gegeben hätte oder dramatische Dinge stattgefunden hätten. Nicht nur ich bin im Umbruch, die Jahreszeit ist es auch und ich finde es jeden Tag aufs Neue spannend, wie der Planet Sonne sich versucht dem zu widersetzen. Sie kämpft mit ihrem ganzen Charme und ihrer ganzen Gewalt gegen Wolken und Regen. Somit kommen wir hier in den Genuss, im Land der tausend Regenbogen leben zu dürfen.

Ich habe in den letzten Tagen natürlich nicht gelernt mit Pinsel und Farbe umzugehen. Darum blieb mir nichts anderes übrig, als bei jedem dieser faszinierenden Farbbalken die Kamera in Anschlag zu nehmen, und das Schauspiel digital für meine Nachwelt fest zu halten. Ich bilde mir tatsächlich ein, dass das ein anhaltender Willkommensgruß für mich ist.

Und er wirkt. Mit jedem weiteren Tag und mit jeder weiteren Nacht, aber gerade mit jedem weiteren Regenbogen, bin ich unglaublich dankbar dafür, dass ich hier sein darf. Dankbar bin ich. Dankbar und unendlich traurig, das alles nicht mit dir zweisam erleben zu können. Du bist in meinen Gedanken, meinem Kopf, meinem Herzen, also bist du auch hier. Aber anders. Es ist alles anders, seitdem du nicht mehr da bist, auch wenn du für mich immer hier sein wirst. Da ist sie wieder, meine höchsteigene Schizophrenie und multiple Persönlichkeit. Du bist du und nicht hier aber doch anwesend. Wer außer mir kann das schon verstehen? Verena. Mir fällt ein, dass ich mein regelmäßiges Piep absetzen muss, was ich natürlich gerne tue. Freundschaften muss man pflegen hast du immer gesagt, was ich ziemlich erstaunlich fand, weil du nicht wirklich richtige Freunde hattest. Bekannte hattest du eine Menge, und die meisten waren eher flüchtiger Natur.
Dune kläfft den ganzen Strand zusammen und mir fällt auf, dass sich doch etwas Entscheidendes verändert hat die letzten Wochen. Meine Hündin hat ihren Mut wieder gefunden. Ich weiß nicht, ob sie in Therapie war, und wenn bei wem – auf alle Fälle jagt sie wieder Möwen. Mir kommt das ganz gelegen, denn die Gute hat ganz schön an Gewicht zugelegt, was wohl für meine guten Eigenschaften als Dosenöffner spricht. Fast den ganzen Tag streunt sie draußen herum, macht Möwen und anderem Federvieh das Leben schwer oder dreht den Strand auf Links, um schließlich mit irgendwelchen abgegammelten Turnschuhen oder halb verwesten alten Lappen als Geschenk bei mir aufzukreuzen. Sie liebt mich eben und hat nicht wirklich andere Möglichkeiten, mir das zu zeigen. Das Jagen und Sammeln hat sie sicher von mir. Zumindest stehe ich ihr da in Nichts nach, wenn ich mir meine stattliche Muschelsammlung anschaue, die ich hier zusammen getragen habe.
Heute nimmt das Kläffen so gar kein Ende und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Dune eine Möwe gestellt hat, die nun auf einem Bein und mit herausgestreckter Zunge um sie herumtanzt. Das würde eine solche Aufregung erklären. Also pelle ich mich aus meiner Kuschelposition und schaue nach dem Rechten. Ahhhh, höre ich mich selbst staunend und erfreut ausrufen. Bei genauer Betrachtung, und wenn das kämpfende Knäuel ca. 40 Meter unter mir sich mal kurzfristig entwirrt, kann ich Max erkennen, der Dune zur Begrüßung zu einem kleinen Kämpfchen herausgefordert haben muss. Oder Dune hat ihn am Wagen abgepasst und dem armen Kerl gar keine andere Chance gelassen, als sich erst mit ihr zu beschäftigen, frei nach dem Motto: „Du kommst hier nicht rein!“
Schnell schlüpfe ich in die Turnschuhe und schmeiße mir meine Wind- und Wetterjacke über. Zwar komme ich mit meinem Einsiedlerleben sehr gut zurecht, aber Max muss standesgemäß begrüßt und geknuddelt werden. Außerdem zeigt mir der erneute Blick aus dem Fenster, dass ihm ein bisschen Hilfe gegen das Dünenmonster sicher sehr gelegen kommt. Eilig nehme ich die Stufen der Wendeltreppe und lege mich auch prompt fast auf die Nase. War diese Biegung schon immer da? Nicht weiter fragend, warum mir meine eigene Treppe plötzlich ein Bein stellt, flitze ich hinab und falle Max, der sich von Dune losgerissen hat, aber immer noch penetrant besprungen wird, direkt in die Arme. Bevor meine Nase und mein Mund vom dicken Bundeswehrparker meines Besuches luftdicht verschlossen werden, bringe ich noch ein „Aus!!! Dune! Los! Hopp, geh Möwen ärgern!“ zu Stande und schon nimmt das ausführliche Begrüßungsknuddeln seinen Lauf. Mein Herz rast wie bescheuert und ich glaube ich benehme mich, als sehe ich das erste Mal nach Jahrzehnten wieder einen Menschen.
Mit all seiner Stärke und Kraft und doch fast zärtlich umarmt mich Max, hält mich fest gegen sich gedrückt, gibt mir einen Kuss auf die Stirn und fragt mich nach dem werten Befinden. „Gngt ofach rchtg got“, nuschel ich in die Jacke und den sich darunter befindlichen Brustkorb. Nachdem ich mich wieder befreit habe, nehme ich einen erneuten Anlauf: „Gut, einfach richtig gut. Und selbst? Was macht die Kunst? Gibt’s was Neues aus dem Bushland?“
„Absage!“, sagt er breit grinsend, „War doch klar, aber…“ Geschickt greift er mich um die Hüften und schleudert mich einmal um sich herum und dann über seine Schulter. Dort angekommen kämpfe ich mit meiner Luft, während er mir auf den Allerwertesten trommelt und mit tiefster Bassstimme trällert „aber ich habe einen Job für nächsten Sommer!“
„Schön!“, grunze ich und verspreche ausdrückliche Freude und Gratulation, wenn ich wieder festen Sand unter den Füßen haben darf.
„Es ist unser, wirklich unser!“ Ich tanze um den Leuchtturm, laufe und renne und immer wenn ich an dir vorbeikomme bekommst du einen Kuss, egal wohin. „Danke, Danke, Danke, Danke!“ Die ganze Arbeit und Schufterei hatte sich gelohnt. Nachdem wir bewiesen hatten, dass wir in Eigenleistung alle möglichen Reparaturen und Verschönerungen selbst vornehmen können, ließ man sich dazu herab uns den Leuchtturm zu verkaufen oder heißt das noch verpachten? Immerhin werden die technischen Einrichtungen ja nicht von uns gewartet und in Stand gehalten. Man will Leute, welche die turmeigene Atmosphäre unterstreichen und sie nicht verändern wollen, hieß es damals. Jetzt, wo alle Unterschriften getätigt waren und wir nochmals über die Rechte und Pflichten informiert wurden, durften wir endlich einziehen. Wohnrecht in einem Leuchtturm. Ein Traum, ein wahr gewordener Traum, unser Traum. Du warfst mich über deine Schulter, klopftest und trommeltest auf meinem Allerwertesten im Takt und sangst: „Leuchtturmwärterin, Leuchtturmwärterin, du bist jetzt eine Leuchtturmwärterin!“ Dabei hast du über das ganze Gesicht gestrahlt, wie ein kleines Kind, und dich mit mir, als schwerer Ladung, immer weiter im Kreis gedreht, bis dir so schwindelig wurde, dass wir in den Sand fielen. Ganz plötzlich änderte sich dein Gesichtsausdruck von himmelhochjauchzend in zu Tode besorgt und du fragtest mich, ob alles okay sei oder mir was weh tut. Eigentlich wollte ich eine Jammermine auflegen, aber bei dem Blick in dein Gesicht musste ich erst lächeln und unter Prusten brachte ich nur ein „Alles Okay“, raus. Wir rollten uns im Sand und lachten und lachten und lachten.
„Hallo? Wenn du als Leuchtturmwärterin nicht höhen- und schwanktauglich bist, solltest du dir vielleicht eine Sandburg bauen!“
„Was? Wie? Achso!“ Ich starre Max an, als ob er von einem anderen Planeten kommt und verstehe sehr, sehr langsam, dass ich bereits wieder mit beiden Beinen auf der Erde stehe. Ein paar weitere unendliche Momente nach diesem Verständnis, finde ich auch meine Sprache wieder. „Ähm, ja Glückwunsch Brummbär. Erzähl, was ist das für ein Job, wo, wann nächstes Jahr im Sommer, wie lange und überhaupt!“ Das Tempo meiner Fragen spricht dafür, dass ich die fassungslosen Minuten während und nach meiner Landung, aufzuholen versuche.
Max berichtet mit für ihn absolut untypischer Hektik in der Stimme, dass das mit Amerika ja klar gewesen wäre. Die Bushmänner haben mit der Begründung abgesagt, dass sich so viele nationale Künstler beworben haben, dass man diesen Event nicht auf einen internationalen Wettbewerb ausweiten wolle. In dieser Bewertungsjury der Amis sitzt aber wohl ein Deutscher aus Sankt Peter, der dort im kommenden Jahr einen Workshop veranstalten will und diesen soll Max leiten. Sankt Peter Ording sei nicht gerade der Strand, an dem Max tot über der Buhne hängen wolle, aber der Sand sei okay und wenn er ein bisschen Geld mit seinen Skulpturen verdienen könne und anderen seine Leidenschaft auch noch beibringen darf, dann wäre das doch toll. Außerdem sei er für seine Verhältnisse schon viel zu lange an einem Ort und da kommt so ein Strandwechsel gerade mal recht. Der Workshop soll über ein halbes Jahr gehen und interessierten Touristen das Skulpturenbauen näher bringen.
Natürlich freue ich mich für Max. Aber es bedeutet für mich auch wieder einen Abschied, einen kleinen Tod. Gut, ein halbes Jahr ist keine Ewigkeit, vielleicht eine kleine Ewigkeit. Ich weiß, ich werde ihn furchtbar vermissen. Auch wenn wir nicht jeden Tag auf einander hängen, uns unter Umständen Monate nicht sehen. Doch wenn ich das Bedürfnis hätte ihn zu sehen, dann wüsste ich was zu tun ist. Wenn ich ihn sehen will, fahre ich vorbei oder er kommt her. An das Gefühl, dass das nicht mehr so sein wird, muss ich mich gewöhnen. Ich bete nur, dass er wieder kommt und nicht wieder Geschmack findet an seinen Strandreisen. Ich ärgere mich über meine egoistischen Gedanken. Nichts, absolut gar nichts rechtfertigt dieses „Ich-Arme-Verlassene“-Denken und so falle ich Max noch mal richtig um den Hals und gebe ihm einen dicken Kuss in den Wallebart. „Womit habe ich das denn verdient?“ Ich lächele ihn ganz breit an und antworte mit einem neckischen „Ach, nur so!“
Bis nächsten Sommer kann noch viel passieren, merkt Max beim folgenden Spaziergang an. Ich gebe mir alle erdenkliche Mühe, ihn nicht zu intensiv in meine Gehirnwindungen schauen zu lassen, scheinbar vergessend, dass ich hier mit Max am Strand bin, und nicht mit irgendeinem netten Bekannten, der sich für mich ehrlicher Weise soviel interessiert, wie für die Börsenkurse jeden Tag. Auch hier ziehe ich wieder eine Parallele zu dir. Wenn du mich gefragt hast, ob es mir gut geht, dann hast du das gefragt, weil es dich wirklich interessierte ob es mir gut geht. Und wenn du wissen wolltest, ob alles in Ordnung mit mir ist, dann weil du sehr wohl, wahrscheinlich schon Stunden zuvor gespürt hast, dass wohl irgendwas im Argen liegt bei mir. Der olle Zausel Max ist da ganz ähnlich gestrickt. Er ist schweigsamer und scheint sehr reflektierend durchs Leben zu gehen. Wenn er aber eine Ahnung hat, dann hat diese Ahnung auch Hand und Fuß.
„Hat deine Angst mit ihm zu tun?“
Ich falle aus allen Wolken. Es wird mir ein immer währendes Mysterium bleiben, wie dieser Mensch durch mich hindurch und wieder zurück schauen kann. Als ich bejahe, fragt er mich, ob ich ihm eine kleine Analyse zugestehen würde, eine kleine Skizze dessen, was er sich so zusammenreimt.
Da ich mich für einen Menschen halte, der nicht wie ein offenes Buch ohne sieben Siegeln durchs Leben schreitet, gehe ich auf seinen Vorschlag ein und bitte Dr. Hobbypsychologen und Sandburgenbauer Max um ein Persönlichkeitsprofil meinerselbst.
„Ich kann jetzt nur das interpretieren, was ich von dir kenne, von dir glaube zu kennen oder mir auf Grund deiner Erzählungen, deiner Selbstdarstellung zusammenreime. Kennen gelernt habe ich dich als sehr gefühlsbetonten Mensch, der sehr nah am Wasser gebaut hat, allem was ihm fremd ist sehr skeptisch gegenüber steht und der mit aller Gewalt versucht, um Himmels Willen niemanden zu nah an sich heran zu lassen. Du erzählst, wenn du erzählen willst, und das willst du nur selten. Ich denke du bist ein Mensch, den man hin und wieder zu seinem Glück zwingen muss. Irgendwann in deinem Leben gab es einen Punkt, an dem du nicht mehr ohne weiteres an das Gute im Menschen geglaubt hast, an dem du nicht mehr versucht hast, unter großem Aufwand aus allem nur das Gute zu ziehen, an dem du für dich erkannt hast, dass das, was Leben ist, eine Herausforderung darstellt, der du dich jeden Tag aufs Neue und mit all deiner Kraft und Energie stellen musst. Es gibt oder gab, das habe ich noch nicht ganz aufdröseln können, für dich einen Menschen in deinem Leben, dem du bedingungslos vertraust. Ich lasse jetzt absichtlich die Vergangenheitsform fort, denn ich bin der Überzeugung, dass dieser Mensch, wenn er denn mal war und nicht mehr ist, auch heute noch deine ganze Liebe besitzt, dem du noch immer so sehr vertraust, das kaum ein anderer Mensch eine Chance hat, sich dir auch nur ansatzweise so zu nähern.
Mit diesem Menschen teilst du, neben vielen menschlichen Eigenschaften, eine langes Stück deines Lebenswegs, vielleicht den bislang wichtigsten und schwierigsten Teil. Er war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, so dass ihr gemeinsam Unmengen von Steinen aus diesem eurem Weg räumen konntet. Wie schon gesagt, liebst du diesen Menschen bedingungslos. Und das beziehe ich nicht einzig auf diese Beziehungsschiene. Es soll ja durchaus auch Freundschaften zwischen Mann und Frau geben, die rein auf Freundschaft im ureigensten Sinne und weniger auf das Rumgehoppse auf Matratzen basieren. Definierst du Freundschaft, definierst du sie auf Basis dieser Beziehung zwischen ihm und dir. Das hat zur Folge, dass nie wieder ein Mensch, dich als echten wahren Mensch kennen lernen kann, da du dich nur ihm offenbart hast, nur er jede kleine Winzigkeit aus deinem Leben kennt und auch nur er in der Lage ist, dich zu nehmen wie du wirklich bist .Dieser Mensch ist für dich eine Form von Übermensch, das Non Plus Ultra eines Freundes und das macht es allen anderen um dich herum sehr schwer, Zugang zu dir bekommen. Ich gehe von einem Mann aus, denn eine wahre Freundschaft zwischen zwei Frauen ist nach meinem Empfinden, tut mir leid wenn ich das so feststellen muss, niemals so möglich. Frauen erzählen sich sicher alles, aber schon alleine aus Gründen der berühmten Stutenbissigkeit und dem angeborenen Rivalinnenverhalten, erfährt selbst eine beste Freundin nie alles. Manchmal seid ihr Frauen da wirklich komisch.
Lange Rede kurzer Sinn. Mit diesem Typen, der sich echt glücklich schätzen darf, dass er dich von so vielen Seiten kennt, verbindet dich alles, was dich ausmacht und vieles darüber hinaus. Auch wenn ihr nicht zusammen sein könnt, wie zum Beispiel hier und jetzt, seid ihr so eng miteinander verbunden, dass sich dein Leben in vielen Facetten um ihn dreht. Du denkst an ihn. Du fühlst (für) ihn. Du lebst mit ihm. Dein Leben ist auf eure Beziehung, auf diese ganz besondere Art der Freundschaft, auf diese ganz besondere Form der Liebe ausgerichtet. Für diese Liebe bist du bereit alles an den Nagel zu hängen und hier komplett neu anzufangen.
Ich weiß nicht, was genau passiert ist, warum er nicht hier ist oder nicht hier sein kann, aber du lebst ein Leben in eurem Sinn.
Du bist auf ganz wundervolle Art in der Lage, in dich ein unsagbares Vertrauen zu setzen, auf dein Herz zu hören und aus dem Bauch heraus zu agieren. Natürlich hast du einen gesunden Ratio, der dir aber oft genug ein Bein stellt oder im Wege steht. Dein Leben baut auf Liebe auf, und das finde ich die schönste Lebensform, die jemand für sich wählen kann. Und jetzt bist du dran.“
„Darf ich das verdauen, oder muss ich gleich was dazu sagen?“
„Eigentlich müsstest du wissen Kleines, dass du mir alles immer sagen kannst, aber nie was sagen musst.“
„Darf ich was fragen?“
„Sicher!“
„Wieso nennst du mich Kleines?“
„Na“, antwortet er mit seinem berühmt berüchtigten und mich überwältigendem Lächeln, „Na schau dich doch mal an, soll ich Große sagen? Ich bin geringfügige Meter länger als du und nehme mir darum das Recht, dich Kleines zu nennen. Was doch okay ist, hoffe ich.“
„Jaja, ist schon okay, ist nur weil…“
„Weil du sein Kleines bist.“
„Hmmm, ja.“
„Darf ich jetzt auch was fragen?“
„Klar, im Zweifel gibt es keine Antwort“, entgegne ich schnippisch.
„Lebt er noch?“
„Nein, er hat mich…, nein, er ist tot.“
Die Sinnlosigkeit meines Versuches klar vor Augen, versuche ich vor Max zu verbergen, dass mich ein wenig Angst beschleicht, nach seinem erstellten Persönlichkeitsprofil. Bin ich wirklich so leicht zu durchschauen? Trage ich meine Liebe zu dir so sehr vor mir her? Nein, das kann nicht sein, denn sonst hätte mich schon vorher jemand darauf angesprochen. Selbst wenn ich von dir in der Vergangenheit erzählte, was nie sehr ausführlich war, ist nie jemand auf die Idee gekommen mich nach Einzelheiten zu fragen, oder hat mir auf den Kopf zugesagt, in welcher Beziehung wir zueinander stehen. Im Gegenteil, manch Einer, dem ich von dir erzählte, konnte sich schon ein paar Tage später nicht mehr daran, oder an den Zusammenhang erinnern. Der für mich schlimmste Fall war, dass das bisschen, von mir vorsichtig Offenbarte in einer bösen Schlammschlacht gegen mich verwendet wurde. Das sind die Vertrauensbrüche in meinem Leben, die ich nicht verzeihen kann und die ich sehr nachtragend mit mir herumschleppe, die mich ängstigen und sehr, sehr vorsichtig gemacht haben. Max habe ich nie wirklich von dir erzählt. Max habe ich nie aus meinem Leben erzählt. Und doch war es ihm gerade möglich, das große schwarze Buch der Leuchtturmwärterin aufzuschlagen und mir aus ihm vorzulesen.
Bitte erkläre mich jetzt nicht für verrückt oder halte mich für bescheuert, das tu ich selbst schon, aber Max scheint mir eine Reinkarnation von dir zu sein, nur um Jahre gealtert. Das würde auch diese Zuversicht, Hoffnung und das Wohlfühlen erklären, das ich empfinde, wenn wir uns sehen. Aus den von ihm so treffend erklärten Motiven heraus, habe ich ihn betreffend die Beschreibung Freund noch nie in den Mund genommen. aber daran gedacht habe ich schon oft. Er ist für mich wie ein alter Freund. Und bevor er im Sommer geht, werde ich ihm das auch sagen, spätestens.
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