Zurück im Turm werden wir von einer schwanzwedelnden Dune und einer maunzenden Fee auf dem oberen Treppenabsatz begrüßt. Lange werde ich die Hündin sicher nicht mehr oben halten können, auch wenn ich gerne sehen würde, dass sie ihren Vorderlauf noch ein wenig schont. Kaum gedacht, humpelt sie uns auch schon die ersten Stufen entgegen und ich gebe richtig Gas, damit ich sie möglichst früh und noch weit oben abfangen kann. Einsam und verlassen, pennt im Korb unter dem Wollpulli Kleine Düne den gerechten Schlaf der sich im Wachstum befindlichen Hundebabies. Ausnahmsweise ist ihm das Entschwinden seiner Mama nicht aufgefallen.
Oben angekommen, mache ich uns eine heiße Schokolade, die wir jetzt auch beide gut gebrauchen können. Ich frage dich, ob du mit Schuss magst und du sagt “Ja klar!”, was mich darauf schließen lässt, dass du mich gleich nach meiner Couch befragen wirst. Leider muss die Tote Tante auf ihr Häubchen verzichten, da ich keine Sahne mehr im Turm hab. Ich muss dringend wieder einkaufen. Max fragt mich zwischen Kakaoerhitzung und der Suche nach Rum, was von seiner Idee halte, mit ihm Weihnachten zu verbringen?
„Ich habe gerade beschlossen, nicht nach Hause zu fliegen, also ins Rheinland, wegen Dune, Kleine Düne und Fee. Offiziell. Natürlich kommt mir diese Ausrede sehr recht, weil ich keine Lust auf dieses Weihnachtsgesülze habe. Mein Mütterchen wird traurig sein, aber sie wird’s verstehen, so oder so. Die anderen werden wahnsinnig rummuffeln, weil das doch der Fest der Liebe und ein Familiefest und blablabla. Aber da müssen sie eben durch. Auf Einzelschicksale kann ich gerade keine Rücksicht nehmen, verstehst du Max? Ich möchte hier sein, hier im Turm, bei den 11 Pfoten, am Strand, am Wasser, bei ihm, ja und auch bei dir. Und wenn du, wie du sagst, keine gefüllte Gans mit Rotkohl und Klößen erwartest, sondern wie wir hier mit Bockwurst und Kartoffelsalat glücklich sein kannst, dann fühl dich bitte ganz, ganz herzlich eingeladen.“ Max strahlt über das ganze Gesicht und amüsiert sich köstlich über „rummuffeln“ und meine hektischen Flecken im Gesicht. Die bekomme ich immer, wenn ich aufgeregt bin oder von etwas hektisch erzähle, weil ich das mit dem Spannungsbogen nie so hinbekomme und doch schnell zum Ende kommen mag, aber es auch nicht einfach so auf den Tisch rotzen will.
„Also wenn du mich ollen Schäufelchenschieber und Eimerchenheber wirklich dabei haben magst. Ich komme sehr, sehr gerne!“
„Habe ich dir schon gedankt Max?“
„Lass mich überlegen, Kleines. Für die Sache mit Dune ja. Für meine Unterstützung, ja. Dafür, das ich für dich da bin, ja. Dafür, dass ich auch Kleine Düne gerettet hab, was ich ja gar nicht hab, sondern Jacques, dafür auch. Für den tollen Strandspaziergang, ja. Wofür noch?“
„Menno, du weißt genau, dass ich das alles nicht meine. Manchmal bist du wirklich ein Kindskopf. So wie…, egal. Danke, für dein Vertrauen, dafür wollte ich dir danken.
Strahlend – Schön – Stark
Schön Strahlend
Strahlend Stark
Stark Strahlend
Strahlend Schön
Schön Stark
Strahlend Schöne Stärke
Danke, dass du mir das hast heute zuteil werden lassen
„Ach, du findest mich also schön!“, antwortet Max nach einer kurzen Zeit des Schweigens grinsend und mit einem sehr schnippischen Ausdruck in der Stimme.“
„Ich finde dich stark!“
„Einigen wir uns auf schön stark?“
Wir lachen beide.
Nachdem wir uns wieder beruhigt haben, und sich der Sandmann die Lachtränen aus dem Gesicht gewischt hat, wird er wieder sehr nachdenklich.
„Für wen hast du dir das ausgedacht?“
„Ich zeige nach oben und antworte mit einem kurzen „für ihn“.
Max verfolgt meinen Zeigefinger und lässt den Kopf in den Nacken fallen. Dann schaut er mich wieder mit ernster Mine an und hakt nach: „Für ihn oder für ihn?“
„Such’ dir es aus, es passt auf euch alle Drei.“
„Darf ich dich noch was fragen?“
„Ja klar, du weißt doch, du darfst alles fragen.“
„Hast du ihm vieler solcher Sachen geschrieben, gedichtet oder zugedacht? Ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll.“
„Eine ganze Kiste voll. Aber viel wichtiger ist: ein ganzes Herz voll. Und das konnte ihm und kann mir auch niemand nehmen.“
Ich weiß nicht, ob es die Nachwirkungen von meinem „Gedicht“ und meiner Danksagung sind, oder ob ihn unser kurzes Gespräch so grüblerisch macht. Max packt seine sieben Sachen und bläst zum Aufbruch. „Du willst jetzt noch fahren? Du hast getrunken! Du weißt, dass du hier immer eine Schlafstätte hast?“
„Kein Problem, ich hab’s doch nicht weit!“
„Naja, nicht weit ist da wohl Definitionssache oder liegt in diesem Fall im von der Toten Tante getrübten Auge des Betrachters.“
„Sorge dich nicht Kleines. Mir passiert nichts. RazzFazz bin ich im Bett. Und Morgen schau ich wieder vorbei und dann gehen wir noch mal ne Runde, vielleicht ja mit Dune?“
Mein alter Meister der Sandskulpturen macht einen sehr aufgeräumten Eindruck und scheint genau zu wissen, was er will, beziehungsweise was er sich zumuten kann. Ehrlich gesagt, bin ich auch viel zu geschafft, um da jetzt so ganz genau nach zu bohren. Obwohl dieses Gefühl da ist, dass ich es besser tun sollte.
„Du gehst noch raus?“
„Jepp, kurz um den Block.“
„Ist alles okay mit dir?“
„Ja Kleines, mach dir keine Sorgen, ich brauch nur ein bisschen Luft rein und Welt raus.“
„Hmm, bist du sicher? Magst du, dass ich mitkomme?“
„Nee, lass mal. Du weißt, dass ich dich nicht dabei haben möchte und mich meiner bösen Welt alleine stellen muss. Ich bin doch schon groß! Mir passiert nichts und du wirst sehen, ich bin schneller zurück als du einschlafen kannst und dann RazzFazz bei dir im Bett. Und morgen Früh, morgen Früh gehen wir beide fett Brunchen. Einverstanden?“
Dieses Gefühl macht mir eine eigenartige Gänsehaut. Eigentlich könnte ich sie schon meine zweite Haut nennen, so oft, wie sie sich mir überstülpt. Das ist wieder so eine Szene, wo ich versuche Eins und Eins zusammen zu zählen und Drei herausbekomme. Aber wieso kommt bei mir immer Drei heraus, wo jede Logik doch beweist, das Ergebnis ist Zwei? Ich erinnere mich an meine Gedanken der Reinkarnation und in den letzten Tagen häufen sich diese Überlegungen. Es kann nicht sein. Max ist mindestens zwanzig Jahre älter als ich und soviel älter als du. Wer immer dafür verantwortlich ist, schickt nicht einen alten, weisen Mann anstelle eines jungen, weisen Junkies. Mein Bruder würde mir jetzt an Hand des Buddhismus erklären, wie das ist, mit dem Karma und so. Er hat’s mir schon tausendmal erklärt. Ich krieg es trotzdem nicht überein. Ich falle von einem Déjà-Vu ins nächste und erlebe Vergangenes mit dir ein zweites Mal, im Jetzt, im Hier. Vielleicht doch gespaltene Persönlichkeit? Oder schizophren? Oder einfach nicht mehr ganz auf der Höhe? Vielleicht Realitätsverlust durch zu hohes Maß an Strandluft?
Meine Gedanken lassen sich nicht zu Ende denken. Erstens befinden sie sich in einer Endlosschleife und zweitens steht Max derweil fertig angezogen vor mir und wünscht sich zu verabschieden. „MannoMann, du wirfst ganz schöne Schatten Großer!“
„Tja Kleines, das passiert, wenn man schön stark ist!“
Wir müssen wieder beide lachen, was Dune weckt, die sich artig von ihrem Freund verabschieden kommt.
„Ach Süße, ich wäre doch zu dir an den Korb gekommen. Ich muss mich doch auch noch von deinem Zwerg und der hübschen Fee verabschieden.“, flüstert er und tätschelt Dune vorsichtig den Kopf. Dann geht er zum Korb, gibt den ultimativen Abschiedsstreichler an die beiden pennenden Babies und kommt zu mir zurück. Gerade als ich mich auf die erste Stufe der Treppe begeben will, hebt er mich in die Höhe, drückt mir einen dicken Kuss auf die Stirn und sagt: „Schön, dass es dich gibt. Ich freu mich auf Morgen, Kleines. Danke für alles! Ich find den Weg schon raus.“
Als Max im unteren Drittel der Treppe ist, rufe ich ihm noch nach, was denn nun mit der Überraschung sei. Er lacht. Er lacht auf seine unverwechselbare laute Art und Weise, beschimpft mich im Scherz als neugierigste Leuchtturmwärterin der Welt und geht. Noch bevor ich irgendetwas sagen kann, ist der Herr zur Tür hinaus, setzt sich in seinen ollen R4 und macht sich vom Acker, oder besser gesagt vom Strand.
Die Morgendämmerung wurde abgeschafft und ich bin zu großen Teilen gelähmt. So zumindest fühlte ich mich, als ich vor wenigen Augenblicken die Augen öffnete und über die Bettdecke hinweg in ein dunkles Braun blickte. Jeder Versuch mich mit einzelnen Körperteilen zu bewegen, sei’s Arme oder Beine, schlägt fehl und selbst die rechte Schulter mag mir einfach nicht mehr gehorchen. Ganz vorsichtig versuche ich meinen Kopf zu heben und bemerke dabei, dass Fee auf meiner Schulter liegt. Kein Schwergewicht, aber sie muss schon eine Ewigkeit hier liegen, sagt mir mein Knochengerüst. Der Länge nach auf mir liegt Dune. Als sie bemerkt, dass ich von den Toten auferstanden bin, geht ihre Rute und klopft freudig die Bettdecke aus. Kleine Düne hat sie mir genau auf die Brust gelegt. So konnte ihr Kind an ihrem Kopf und am Busen der Natur kuscheln und schlummern. Es freut mich ja über alle Maßen, dass Dune mir so sehr vertraut und meine Nähe nicht nur für sich, sondern auch für alle anderen Fellnasen sucht, aber muss das unbedingt zur nachtschlafenden Zeit in meiner Koje sein? Ist denn der Korb nicht groß und kuschelig genug? Wohl nicht. Hallo Schwester!!! Katheter bitte!!! Ich muss mal!
Dune bemerkt meine wachsende Unruhe und schafft als Erstes den Nachwuchs ins sichere Korbgeflecht. Na endlich, ich dachte schon, Max müsse über das Fenster einsteigen, weil ich ihm nicht öffnen darf. Der Zustand der Belagerung hat ein Ende und ich brauche ein paar Minuten länger, um meine einzelnen Knochen, und ich schwöre, heute spüre ich selbst die Klitzekleinsten, zu sortieren. Fee, ebenfalls durch das Geschunkel und Geruckel geweckt, maunzt mir volle Lotte ins Ohr, um sich dann, knapp hinter mir auf dem Kopfkissen wieder zum Schlaf der kleinen Tigerchen zusammen zu rollen. Eigentlich sollte ich das auch tun. Ich bin glücklich. Alle meine Haustiere sind wieder da. Sie fühlen sich wohl. Sie erholen sich prächtig. Und nach dem Stress der letzten Tage, könnte ich ruhig auch mal ausschlafen. Wenn ich nicht schon wach und knochentechnisch sortiert wäre. Also junge Frau, carpe diem, nachdem das mit der Noctem schon nicht geklappt hat. Außerdem magst du Max sicher nicht in Unterhose und Schlabbershirt die Türe öffnen.
Der Tag ist schon da, steht in voller Pracht rund um den Leuchtturm und versucht mich neugierig zu machen auf die Welt. Vorsichtig öffne ich das turmeigene Bullauge und werde fühlbar überrascht. Ganz schön mild, trotz Wind, der behäbig von der See zu uns hinüber weht. So kommt nach dem ganzen Regen mal wieder ein bisschen Frischluft unter das Leuchtfeuer und mit einem undefinierbaren Gesumme, beginne ich den Tag. Raubtierfütterung, Eigenwellness, Kaffee, Kippe, alles was frau so braucht. Hier was gekruscht, dort was geräumt, an jener Stelle ein bisschen gewischt und an allen Ecken immer mal wieder ein vorbeihuschendes Fell gekrault. Dune verfolgt jeden meiner Schritte und schaut sehnsüchtig zur Treppe. Ich versuche sie auf später zu vertrösten, und während ich mir zwischendurch meine Durchhalteparolen abkaufe, sieht sie nicht wirklich überzeugt aus.
„Hallo Verenaschatz. Werde Weihnachten hier im Turm bleiben, mit Max und dem lieben Vieh. Unseren SMS ist es ja egal in welche Teile der Welt sie verschickt werden. Muss nur noch daheim beichten. Hab gedacht fange bei dir an, weil ich weiß du verstehst mich. HDGDL die, die im Leuchtturm wohnt.“
294 Zeichen – wahrscheinlich bimmelt der Kurzmitteilungsquengelton sie gerade bei der Arbeit an – und das nicht nur einmal. Aber sie wird sich freuen. Über die SMS und für mich.
„Nein Mama, mir geht’s wirklich gut. Ja Mütterchen, ich hab auch alles. Und was gibt’s Neu… Nein?! Sag bloß. Das ist ja mal ne gute Nachricht. Hmm, hmm, hmmm, ja. Nee, nich’ wirklich. Was ich dir noch sagen woll… Ja?? Nein, das ist ja süß. Uih, bestell ihr mal ganz liebe Grüße von mir. Du Mama, wegen Weihnachten. Ach, du bist bei Westermanns. Heilig Abend. Hmm, ja das ist doch schön. Ich? Nee, das versuche ich dir ja die ganze Zeit… Ja genau, wegen dem Welpen und wegen Fee. Nein, kann ich nicht. Möchte ich auch nicht. Ja machen wir. Ich meld mich einfach vorher noch mal. Jepp. Ja mach ich. Oki. Du ich dich auch. Ganz doll. Kussi.“
Typisch Mütterchen. Aber sie scheint auch nicht wirklich mit meinem Erscheinen gerechnet zu haben. War ja schon mal einfacher als gedacht.
„Hallo Bruderbär, na alles im Lack? Jepp, jetzt ist alles wieder gut. Dune war weg, hatte nen Unfall. Nee, alles okay. Sie ist noch ein bisschen wackelig auf den Pfoten aber sonst alles im grünen Bereich. Ob ich Weihnachten komme? Weißt du, ich dachte eigentlich… Achso, mit dem Frauchen in die Sonne. Ja dann passt das doch. Quatsch, aus dem Alter sind wir doch wohl beide raus. Nein, ach du bist doch doof. Ich bin eh viel lieber hier. Und wenn ihr sowieso nicht da seid, brauch ich mir auch keinen Kopf machen. Ja hätte doch sein können, dass ihr nach einem weiteren Jahr eurer Zweisamkeit, die Liebe fürs Fest wiederentdeckt. Genau, die ganze Sippe um einen Tisch und nach dem feisten Essen den Messerblock fürs Verwandtschaftsschlachten umgehen lassen. Hööör auf jetzt, ich mach mir gleich in die Hosen vor Lachen. Jepp. Ich hab dich auch lieb. Und deine Süße natürlich auch. Gibst ihr nen dicken Kuss von mir? Aber Karte schreiben ist klar, oder? Jo mach ich. Einen extra dicken Knochen. Und Fee kriegt ne ganze Tüte Maltkisses von euch. Gut. Hmm. Jepp. Du auch Bruderherz. Fühl dich gedrückt. Hab dich lieieie-hieb!“
Na super, stell dir vor, du möchtest zum Fest nicht nach Hause, und jedem ist es Recht. Einfacher kann’s wirklich nicht laufen.
Und der Rest kriegt Weihnachtspost von mir. Ein bisschen früher. Früh genug für mich zum Absagen und zu spät für die Anderen, um was daran ändern zu können. Guter Plan, Frau Leuchtturmwärterin. Guter Plan.
Tagesglück
Neuer Tag, neues Glück?
täglich,
glücklich?
Einfach ein neuer Tag,
einfach neue Hoffnung
auf einfach ein bisschen Glück.
Und bis jetzt, ist das Glück mir hold.



Liebevoll decke ich den kleinen Couchtisch für mein Vorhaben. Die große XXL-Tasse mit dem Nordseemotiv, die ich damals in Friedrichskoog erstanden habe, ist für meinen Kaffee jetzt genau das Richtige. Ich drehe die Tasse nach links und nach rechts und freue mich über das Leuchtturmmotiv. Der Tassenturm hat ein klein wenig Ähnlichkeit mit meinem Zuhause. Aber wirklich nur ein kleines bisschen.
Kurz vor meinem Umzug habe ich mir ein Schafgedeck gekauft, das ich heute einweihen möchte. Die Müslischale bleibt im Schrank – ich bin nicht wirklich der Müslityp, aber sie gehörte nun einmal zum Set dazu. Teller und Eierbecher werden auf dem Tisch arrangiert, eine Serviette mit Muscheln verziert, die Kerze und der große Becher mit dampfendem Kaffee. Dune! Nase weg, du hast schon, jetzt bin ich dran. Als hätte ich sie bei Verbotenem erwischt dreht sie erschrocken um, schwanzwedelnd räumt sie mir die ganze Pracht wieder vom Tisch. Kaffee auf Holzboden die Zweite. Och Menno. Du schmälerst mir meine Freude am Frühstück nicht. Du vermasselst mir diese Schlemmerorgie sicher nicht. Mach, dass du raus kommst. Los. Mit Nachdruck aber ohne Gewalt schiebe ich die Hündin in Richtung Treppe. Vorsichtig wuffend schaut sie mich an, als wolle sie mich fragen, ob das wirklich nötig ist. Ich raune ihr ein kurzes „Lauf“ entgegen und sie macht sich auf und davon. So, jetzt aber.
Kreischende Möwen reißen mich aus meinen Gedanken. Ohje, Dune ist wieder auf Vogeljagd. Ich bin gespannt, wann der Zeitpunkt gekommen ist, dass das Federvieh sich rächt. Ich erinnere mich an eine Geschichte in einem Pfahlbau. Da waren wir von Möwen nur so umzingelt. Diese Begebenheit hätte Alfred Hitchcock nicht besser in Szene setzen können und uns ist sie wirklich passiert. Damals ging nicht nur Dune der Allerwerteste auf Grundeis. Mir war selbst nicht ganz wohl in diesem Pfahlbau mit freiem Blick auf große spitze Möwenschnäbel. Doch da muss sie jetzt durch. Wer nicht hören will, muss fühlen. Und wenn ihr Langzeitgedächtnis sie dermaßen im Stich lässt, dann kann ich daran auch nichts ändern. Meine Wenigkeit hat ein ganz anderes Problem. Unten an der Wendeltreppe warten noch zwölfundneunzig Einkaufstüten und ein Trolli darauf, unter die Turmspitze getragen zu werden. Es wird jetzt schnell dunkel und ich hätte den Krempel schon gerne vor der Nacht verstaut. Es heißt also wieder Abschied nehmen. Ein komisches Gefühl ist das. Ich bin hier und ich lebe hier und trotzdem ist jedes Weggehen eine Art kleiner Tod. Mir ist klar, dass ich nur die 159 Stufen nach unten „wendeln“ muss und ich kann wieder hier sein. Aber jedes Mal, wenn ich von hier fortgehe, überkommt mich diese unendliche Traurigkeit.
Ich frage mich gerade, wie es in unseren Wäldern gerade aussehen mag. Indian Summer? Ob das Laub wohl schon ganzheitlich bunt ist? Hier an den Dünen bemerkt man die wechselnden Jahreszeiten immer erst sehr spät. Das Gras und Schilf ist eigentlich stets eine Mischung aus Braun- und Grüntönen und da die Dünen das Gras nicht abwerfen wie Bäume die Blätter, muss man schon in den Kalender schauen oder sich auf das Gefühl verlassen. Das jedoch trügt im Augenblick sehr, vermitteln Luft, Wasser, Himmel und Wind doch eher, dass wir uns im Sommer befinden. Denke ich an den August zurück, finde ich diesen Oktober um Klassen besser und schöner.
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